So meisterst du den Massenstart

Ohne Angst ins Getümmel. Schwimmen als Auftaktdisziplin mit Massenstart kann schnell in einem Gerangel ausarten. Wer ein paar Tricks kennt, kann seinem nächsten Schwimmstart zuversichtlich entgegenblicken.

 

Dieser Artikel wird präsentiert von FIT for LIFE

 

Ein Schuss ertönt, Hunderte Schwarzbekleideter setzen sich hektisch in Bewegung, es wird gestossen und ausgeschlagen, Ellbogen finden ihren Weg ans Kinn des Konkurrenten, Füsse donnern gegen Rippen, Fingernägel krallen sich am Vordermann fest und die ersten Opfer schnappen hilflos auf dem Rücken liegend nach Luft, die nach kaum fünfzig Metern schon da ist, wo sie nicht sein sollte: draussen. Zugegeben, diese Beschreibung des Triathlon-Schwimmstarts tönt vielleicht ein bisschen übertrieben, doch für viele ist dieses Szenario Realität, da zu viele Schwimmer auf zu wenig Fläche um ihren Platz kämpfen. Daher sollte man sich nicht nur gut überlegen, wo man sich bei einem Schwimmstart positionieren soll, sondern auch einige andere Verhaltensregeln beachten.

Zuerst gilt: Schätze dein Können richtig ein! Ungeübte Schwimmer reihen sich am besten hinten ein und lassen die grosse Masse erst einmal ziehen. Ambitionierten Mittelfeld-Schwimmern ohne Kampfgelüste seien die Randplätze empfohlen, wo es sich bei Engpässen ein wenig zur Seite ausweichen lässt. Und nur wer entweder sehr gut schwimmt, sich gerne prügelt oder entsprechend muskulös gebaut ist, stellt sich ganz vorne in die Mitte hin.

 

Opfer im Massenstart – was tun?

Damit im Gerangel alles an seinem Platz bleibt, sind gewisse Vorsichtsmassnahmen beim Anziehen beachten. Am besten die Schwimmbrille unter der Badekappe tragen, den Neopren-Bändel unter dem Klettverschluss verstecken und den Zeitmess-Chip am Fussgelenk unter dem Neoprenabschluss versorgen. Falls man dennoch Opfer einer Rempelei wird, ist es von Vorteil, wenn man die folgenden Szenarien für unschöne Situationen bereits einmal im Training geübt hat:

  • Brille weg: Schwimmbrille im offenen Gewässer ohne Bodenkontakt anziehen lernen, indem man an Ort und Stelle wassertritt oder sich auf den Rücken legt.
  • Neopren offen: Offenen Reissverschluss des Neopren ohne fremde Hilfe schliessen lernen, indem man wie ein Bleistift senkrecht im Wasser steht und dadurch den Bändel auf der Wasseroberfläche liegend zu fassen kriegt und hochziehen kann.
  • Badekappe weg: Haare so zusammenbinden, dass auch ohne Badekappe geschwommen werden könnte.
  • Unter Wasser gedrückt: Ruhe bewahren, entweder mit Kopf oberhalb Wasser weiterkraulen oder ein paar Meter Brust schwimmen. Sich im schlimmsten Fall auf den Rücken legen und ruhig durchatmen.
  • Verletzt: Sich vor dem Start ausmalen, wohin man sich im Falle einer Verletzung wenden würde (Boje, Sprungturm, Rettungsbote?).
  • Notsituation: Wird im Wasser Hilfe benötigt, mit der flachen Hand aufs Wasser schlagen, um die Rettungskräfte auf sich aufmerksam zu machen.

Temposog nach Startschuss

Die wahre Crux beim Massenstart liegt für das Gros der Athleten jedoch nicht in den Rangeleien am Start, sondern im Temposog, dem man sich nur schwerlich entziehen kann (vor allem dann nicht, wenn man sich zu weit vorne positioniert hat). Das Gute daran: Man ist zu Beginn überraschend schnell unterwegs. Das Schlechte daran: Sauerstoffschuld, überhöhter Puls und übersäuerte Muskel, bevor die erste Boje überhaupt in Reichweite ist.

 

Doch auch auf diese Situation kann man sich vorbereiten. Wer auf den ersten zwei- bis fünfhundert Metern eines Massenstarts nicht „versauern“ will, kann sich im Training mit den folgenden Übungen auf diese „Startexplosion“ vorbereiten

 

Massenstart-Simulation im Training

Nach einem kurzen Einschwimmen wird dem regulären Training eine «unbequeme» Sprintserie von 4 x 100 m oder 8 x 50 m mit 10-15 Sekunden Pause vorangestellt. Dabei geht es vor allem darum, Tempohärte trotz «Störfaktoren» auszubilden. Diese Sprintserien können wie folgt gestaltet werden:

  • Mit Fäusten schwimmen.
  • Beim Wenden die Wand oder den Boden nicht berühren, sondern sich nur am Wasser abstossen.
  • Beim Starten nicht an der Wand abstossen, sondern bäuchlings auf dem Wasser liegend in den Sprint starten.
  • Nach dem Abstossen von der Wand eine Rolle im Wasser machen, bevor man weitersprintet.
  • Kraulsprint, ohne den Kopf ins Wasser zu legen, Blick immer nach vorne gerichtet.
  • Nach dem Abstossen 15 m tauchen, dann auftauchen und sofort lossprinten.
  • Kraulsprint mit Fünfer- oder Siebneratmung.
  • Jedesmal aussteigen und einen Kopfsprung ins Wasser machen, 10 m sprinten, 15 Sekunden Wassertreten an Ort, weitersprinten.
  • In der Gruppe nebeneinander schwimmen, einer darf die anderen mit fiesen Mitteln (halten, hauen, stossen) am Schwimmen hindern, die Betroffenen versuchen in Ruhe weiterzuschwimmen.
  • In der Gruppe schwimmen. Einer sprintet mittelschnell los, die anderen holen ihn ein und überholen ihn möglichst knapp.
  • Slalomschwimmen in der Gruppe: Wer hinten ist, muss die anderen Schwimmer überholen, dies darf er auch unsanft tun. Nun ist der hintere Schwimmer dran mit Überholen.