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Wer hilft wann? Physiotherapeut, Chiropraktiker oder Osteopath?

Die Osteopathie macht den Körper bereit, die Physiotherapie baut ihn auf und die Chiropraktik hilft, wenn es akut irgendwo klemmt – auf diesen Kurznenner lassen sich diese drei Manualtherapien bringen. Die wichtigsten Unterschiede kurz erklärt.

 

Es kneift hier, es zwickt dort – insbesondere wer schon etwas älter ist und sehr intensiv trainiert, spürt seinen Körper immer wieder neu. Wenn die Schmerzen akut sind und nicht bessern, an welche Therapeutin soll man sich dann wenden?

 

Chiropraktik

Bei plötzlichen Schmerzen am Bewegungsapparat, zum Beispiel wegen einem «blockierten» Rippengelenk, hilft häufig die Impulsmobilisation durch einen Chiropraktor. Der Patient ist dabei passiv. Dass der Behandlung eine sorgfältige Befragung vorausgeht, ist äusserst wichtig: Wie fühlen sich die Schmerzen genau an? Bestehen Grunderkrankungen wie zum Beispiel eine erhöhte Osteoporose oder Blutungsneigung, bei denen auf eine chiropraktische Behandlung verzichtet werden sollte? Auch nach grösseren Operationen und Unfällen ist diese Methode nicht die erste Wahl.

Viele Betroffene schätzen die chiropraktische Behandlung, weil sie blockierte Gelenke oft schnell löst und zum Erfolg führt. Sie wird punktuell durchgeführt, wenn akute Beschwerden auftreten.

Melden sich diese aber immer wieder, ist das ein Zeichen dafür, dass die passive Behandlung nicht genügt. Dann ist ein aktiver Einsatz des Betroffenen nötig, um weitere Rückfälle zu verhindern.

 

Physiotherapie

Dabei hilft die Physiotherapeutin. Trainieren, Üben, Wiederholen, Dehnen, Mobilisieren und Bewegen – das sind die Grundpfeiler der physiotherapeutischen Behandlung. Physiotherapie dient dem Kraftaufbau, trainiert die Muskelausdauer und die Stabilität. Physiotherapeutinnen gehen behutsamer vor im Vergleich zu Chiropraktikern. Zudem ist dort die Eigenleistung des Patienten gefordert, damit die Therapie zu einem dauerhaften Erfolg führt. Bei Beschwerden am Bewegungsapparat hilft regelmässige Physiotherapie oft gut, selbst wenn zum Beispiel schon eine Gelenksarthrose besteht. In der Regel findet diese Behandlung über eine gewissen Zeitspanne einmal wöchentlich statt. Einen nochmals anderen Ansatz verfolgt die Osteopathie.

 

Osteopathie

Sie kann als Ergänzung zur Physiotherapie eine wertvolle Hilfe sein und geht «tiefer» als diese, weil sie anatomische Verbindungen ganzheitlicher berücksichtigt.

«Klemmt» irgendwo eine Faszie, kann sich das an entfernten Orten bemerkbar machen, weil die Knochen, Bänder und Faszien, an denen die Organe «aufgehängt» sind, alle zusammenhängen. Ein Beispiel sind Achillessehnenprobleme, die durch Faszienketten entstanden sind, deren wahre Ursache an einem ganz anderen Ort liegt, etwa im Beckenbereich. Oder Schmerzen am Kreuz, die – über Faszien vermittelt – zum Beispiel von Organen im Bauch herrühren und mit Verstopfung vergesellschaftet sein können. Auch frühere Verletzungen können zu solchen faszialen Spannungen führen. Gelingt es, diese Spannungen zu lösen, wird auch eine eventuell nachfolgende Physiotherapie bessere Erfolgschancen haben.

Auch bei Beschwerden, die unverändert unangenehm bleiben oder bei denen kein genauer medizinischer Grund gefunden wurde und der Patient aber trotzdem leidet, bietet sich eine Osteopathische Behandlung an.

Die Osteopathie gilt zwar als «passive» Behandlungsform, dennoch sind die meisten Patienten überrascht, wie müde sie anschliessend sein können, obwohl sie doch scheinbar nichts dabei gemacht haben. Der Körper «arbeitet» eben trotzdem. Teilweise kann sogar zum Muskelkater kommen.

Eine Säule der Osteopathie ist die Kraniosakraltherapie, die mit sehr sanften Techniken zwischen Kopf (Cranium) und Kreuzbein (Sakrum) arbeitet. Sie kann zum Beispiel nach einer Gehirnerschütterung helfen.

Die Abstände zwischen osteopathischen Behandlungen sind in der Regel grösser als bei der Physiotherapie; oft genügen fünf bis sieben Sitzungen pro Jahr, anfangs in kürzeren, später in grösseren Abständen.

 

 

Tipps

• Einen Arzt sollte man vorgängig aufsuchen, bei Hinweisen auf akute Infektionen (oft erkennbar an Fieber, Rötung, Schwellung oder Überwärmung), bei ungewohnt heftigen Schmerzen und bei vorangegangenem Unfall oder einer schwerwiegenden Erkrankung.

• Wenn eine Therapie nach drei bis fünf Sitzungen keine Verbesserung bringt, lohnt es sich, einen Therapiewechsel in Betracht zu zu ziehen.

• Chronische Beschwerden brauchen in der Regel länger, bis sie behoben sind als erst kurzzeitig bestehende.

• Menschen chronischen oder mit psychischen Erkrankungen sollten ihre Manualtherapeutin darüber informieren, damit sie darauf Rücksicht nehmen kann. In bestimmten Fällen kann es besser sein, eine andere Therapie zu bevorzugen.

 

Autorin:

Cornelia Caviglia, Physiotherapeutin MSc, Sportphysiotherapeutin ESP, Medbase Zürich Löwenstrasse, Zentrum für Medizin und Sport